Kurzfristige Beschäftigungen: Flexiblere Berechnung der 3-Monatsgrenze

 

 

Egal ob Urlaubsvertretung, saisonale oder witterungsbedingte Arbeitsspitzen, befristete Jobs gibt es in vielen Branchen, insbesondere aber in der Landwirtschaft und der Gastronomie. So sind aktuell Erntehelfer in der Erdbeer- und Spargelernte gefragt.

Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind dabei kurzfristige Beschäftigungen in lohn- und sozialversicherungsrechtlicher Hinsicht interessant. Im Gegensatz zum Mini-Job im engeren Sinne sind kurzfristige Beschäftigungen von vornherein auf maximal 3 Monate oder 70 Arbeitstage befristet. Der Arbeitnehmer kann auch mehr als 450 Euro im Monat verdienen. Eine kurzfristige Beschäftigung darf allerdings nicht berufsmäßig ausgeübt werden. Davon ist auszugehen, wenn sie neben einem Hauptjob ausgeübt wird oder in der kurzfristigen Beschäftigung nicht mehr als 450 Euro pro Monat verdient werden.

Ein Monat ist mit 30 Tagen anzusetzen
Innerhalb eines Kalenderjahres können Arbeitnehmer auch mehrere kurzfristige Tätigkeiten ausüben. Als zeitliche Obergrenze sind 3 Monate bzw. 90 Kalendertage im Jahr zu beachten. Dabei sind alle Kalendertage mitzurechnen, für die ein Beschäftigungsverhältnis mit Lohnanspruch besteht. Damit zählen neben möglichen Wochenenden auch Krankentage, bezahlter Urlaub oder Wochenfeiertage dazu. Alternativ ist die Zeitgrenze durch 70 Arbeitstage gesetzt. Seit Jahresbeginn darf die 3- Monatsgrenze flexibler ermittelt werden. Nunmehr sind für alle vollen Kalendermonate oder auch Zeitmonate (beginnt in einem Monat und endet einen Tag vor dem gleichlautenden Tag des Folgemonats) immer 30 Tage anzusetzen. Bei der Bestimmung der zeitlichen Komponente für eine kurzfristige Beschäftigung sind zunächst volle Kalender- und Zeitmonate zu ermitteln und erst die verbleibenden Tätigkeitszeiträume müssen taggenau gerechnet werden.

Beispiel:
Ein Erntehelfer wird für die Zeit vom 19. März bis zum 5. Mai und später im Jahr noch einmal vom 1. August bis 12. September beschäftigt.

Zeiträume

Berechnung ab 2019

Berechnung bis 2018

19. März bis
5. Mai

     19. März bis 18. April = 30 Tage
     (1 Zeitmonat)
     19. April bis 30. April  = 13 Tage
     (Teilmonat-taggenau)
     1. Mai bis 5. Mai        =   5 Tage
     (Teilmonat-taggenau)
      Gesamt                    = 48 Tage

     19. März bis 31. März = 13 Tage
     (taggenau)
     01. April bis 30. April  = 30 Tage
     (taggenau)
     01. Mai bis 05. Mai     =  5 Tage
     (taggenau)
     Gesamt                    = 48 Tage

1. August bis
12. September

     1. bis 31. August      = 30 Tage
     (1 Kalendermonat)
     1. bis 12. September = 12 Tage
     (Teilmonat-taggenau)
     Gesamt                   = 42 Tage

     1. bis 31. August       = 31 Tage
     (taggenau)
     1. bis 12. September = 12 Tage
     (taggenau)
     Gesamt                   = 43 Tage

Beschäftigungs-zeiträume gesamt

90 Tage

91 Tage

Ergebnis

beide Beschäftigungen sind kurzfristig.

Nur die erste Beschäftigung ist eine kurzfristige Beschäftigung, da mit der zweiten Beschäftigung bereits die 90 Tage überschritten werden.

Tipp: Die flexiblere Berechnung der Beschäftigungszeiten führt dazu, dass der eine oder andere Job noch als kurzfristig bewertet werden kann. Genaues Rechnen lohnt sich also.

Pauschale Lohnsteuer und Sozialversicherungsfreiheit
Kurzfristige Beschäftigungen sind in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung versicherungsfrei. Der Arbeitgeber entrichtet zu diesen Versicherungen keine Pauschalbeiträge. Er hat lediglich die Umlagen U 1 und U 2, die Insolvenzgeldumlage und die Beiträge zur Unfallversicherung zu entrichten. Lohnsteuerlich kann der Arbeitgeber diese Jobs mit 25 % Lohnsteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und eventuell Kirchensteuer pauschalieren. Dies gilt auch dann, wenn die pauschale Lohnsteuer vom Nettoarbeitslohn einbehalten wird. Die Lohnsteuerpauschalierung setzt allerdings voraus, dass die Beschäftigung maximal an 18 zusammenhängenden Arbeitstagen ausgeübt wird und der durchschnittliche Arbeitslohn 72 Euro je Arbeitstag nicht übersteigt.

Arbeitszeiten sind aufzuzeichnen
Auch bei kurzfristigen Beschäftigungen ist der gesetzliche Mindestlohn zu zahlen und das Arbeitszeitgesetz sowie die Aufzeichnungspflichten des Mindestlohngesetzes sind einzuhalten. So müssen Arbeitgeber für jede Aushilfe den Beginn, das Ende und die Dauer der täglichen Arbeitszeit spätestens bis zum Ablauf des siebten auf den Tag der Arbeitsleistung folgenden Kalendertages aufzeichnen und mindestens zwei Jahre aufbewahren. Zeiterfassungssysteme wie edtime oder edpep ermöglichen eine digitale Zeiterfassung und erleichtern die Personaleinsatzplanung.

Hinweis: Die Regeln zum Mini-Job und zur kurzfristigen Beschäftigung gelten nicht für alle Arbeitnehmer. So ist besonders bei ausländischen Arbeitskräften genau zu prüfen, in welchem Land sie sozialversicherungspflichtig sind. Sind sie in ihrem Heimatland sozialversicherungspflichtig, kann kein Mini-Job und auch keine kurzfristige Beschäftigung im Sinne des deutschen Sozialversicherungsrechts ausgeübt werden. Sprechen Sie daher Ihren Steuerberater oder einen Fachanwalt für Sozialversicherungsrecht an, wenn Sie ausländische Arbeitnehmer beschäftigen möchten.

(Stand: 29.04.2019)

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